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Neobiota: Neue Arten, neue Herausforderungen


In einer Welt mit grenzüberschreitender Mobilität und globalem Handel gelangen immer mehr Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen aus ihren angestammten Heimatgebieten in neue Lebensräume – auch in die Schweiz. Einige dieser sogenannten Neobiota bleiben unauffällig, andere entwickeln sich zu invasiven Arten mit ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen.

Sie kommen mit Frachtschiffen, Reisegepäck oder Zierpflanzen – und irgendwann sind sie einfach da: Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen, die in der Schweiz nichts verloren haben und trotzdem bleiben. Rund 200 gebietsfremde Arten werden weltweit jedes Jahr neu in fremde Regionen geschleppt. Einige fügen sich still ins Ökosystem ein. Andere verändern es – dauerhaft.

Neobiota sind Tier- und Pflanzenarten, die seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch den Menschen in neue Gebiete gelangt sind. Diese Neobiota – Neophyten (Pflanzen) und Neozoen (Tiere) – gelangen durch menschliche Aktivitäten in Regionen, in denen sie ursprünglich nicht vorkommen. In einer globalisierten Welt mit wachsendem Handel und Mobilität geschieht das heute schneller als je zuvor.

Wenn Arten problematisch werden
Nicht jede fremde Art ist gefährlich. Viele verschwinden wieder oder fügen sich unaufällig ein. In der Schweiz wurden bis 2021 insgesamt 1305 gebietsfremde Arten registriert – doch während sich der Grossteil davon unaufällig in unsere Ökosysteme einfügt, sind rund 197 dieser Arten (rund 15 Prozent) invasiv.

Das bedeutet: Sie breiten sich explosionsartig aus, verdrängen heimische Arten und richten ökologische, wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden an. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schätzt die jährlichen Kosten invasiver Arten für die Schweiz auf rund 170 Millionen Franken – wobei der Aufwand für die Bekämpfung darin noch nicht einmal enthalten ist.

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In der Schweiz kennt man sie gut: Der Japanische Knöterich wuchert durch Uferböschungen und sprengt Asphalt. Das Drüsige Springkraut überwuchert ganze Waldlichtungen. Die Asiatische Hornisse dezimiert Honigbienenvölker. Und die Rotwangen-Schmuckschildkröte – einst als Haustier beliebt, dann ausgesetzt – bedrängt einheimische Schildkrötenarten in Teichen und Seen.

Ausbreitung und Folgen
Die Einschleppung geschieht meist unbemerkt: versteckt in Verpackungsmaterial, angehaftet an Bootsrümpfen, mitgereist im Erdreich von Zierpflanzen. Rund 40 Prozent der Neobiota sind dabei sogenannte «Entwichene» – also Arten, die ursprünglich absichtlich eingeführt wurden und anschliessend unabsichtlich in die Umwelt entwichen sind. Weitere 32 Prozent gelangten durch Verunreinigung von Handelswaren in die Natur. Einmal etabliert, bekommt man viele Arten kaum noch los. Eine Ausrottung ist extrem kostspielig, die Erfolgsquoten vielfach gering.

Strategie und Handlungsbedarf
Die Schweiz hat früh reagiert: Seit 2016 gilt die «Strategie zu invasiven gebietsfremden Arten», die Handlungsfelder von der Früherkennung über Risikobewertung bis hin zur Bekämpfung umfasst. Gesetzliche Grundlage bildet die Freisetzungsverordnung (FrSV), die seit 2008 in Kraft ist und per 1. September 2024 ausgeweitet und präzisiert wurde. Seither sind insgesamt 53 invasive Pflanzenarten oder -gruppen verboten: Für 22 davon gilt ein vollständiges Umgangsverbot (Anhang 2.1) – darunter Kirschlorbeer, Schmetterlingsflieder und Blauglockenbaum –, für die übrigen 31 Arten ein Inverkehrbringungsverbot (Anhang 2.2).

Denn eines ist klar: Vorbeugung bleibt die wirksamste und kostengünstigste Massnahme. Eine Art, die sich erst einmal festgesetzt hat, lässt sich selten vollständig zurückdrängen.
 

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