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Nutria
Myocastor coypus

Gross, semiaquatisch und erstaunlich produktiv: Die Nutria ist ein südamerikanisches Nagetier, das sich in weiten Teilen Europas fest etabliert hat und auf der EU-Liste der invasiven Arten von unionsweiter Bedeutung steht. In der Schweiz tritt sie vor allem entlang von Flüssen und Seen auf — mit steigender Tendenz. Was sie besonders problematisch macht, ist nicht ihre Grösse, sondern ihre Fähigkeit, Ufervegetation und Dammstrukturen durch intensive Grabaktivität nachhaltig zu schädigen und dabei Lebensräume für einheimische Arten zu zerstören.

Myocastor coypus stammt aus dem südlichen Südamerika — ursprünglich aus Argentinien, Chile, Uruguay und Brasilien. Sie erreicht eine Körperlänge von bis zu 60 cm (ohne Schwanz), dazu kommt ein langer, runder, rattenähnlicher Schwanz. Das Fell ist graubraun, die charakteristischen orangefarbenen Nagezähne machen die Art unverwechselbar. Die Nutria ist hervorragend ans Leben im und am Wasser angepasst: Die Hinterfüsse sind teilweise geschwemmt, sie schwimmt und taucht ausdauernd. Sie ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann aber auch tagsüber beobachtet werden.

Nach Europa gelangte die Nutria ab dem späten 19. Jahrhundert — zunächst als Pelztier in Zuchtfarmen eingeführt. Aus verwilderten oder entlaufenen Tieren entstanden freilebende Populationen, die sich seither stetig ausgebreitet haben. In der Schweiz ist die Nutria vor allem im Mittelland entlang von Aare, Rhein und Genfersee sowie in der Westschweiz nachgewiesen. Die Art ist in der EU seit 2016 als invasiver Organismus gelistet: Handel, Haltung und Transport sind verboten. Dennoch besteht die Gefahr weiterer Ausbreitung durch natürliche Wanderung entlang von Gewässerkorridoren.

Die Nutria frisst grosse Mengen an Wasserpflanzen und Röhrichtbeständen — Lebensräume, die für Wasservögel, Amphibien und Fische unverzichtbar sind. Durch ihre intensive Grabtätigkeit destabilisiert sie Uferböschungen, Dämme und Kanäle, was zu Erosion und Infrastrukturschäden führen kann. Auf landwirtschaftlichen Flächen richtet sie Schäden an Mais-, Rüben- und Getreidekulturen an. Zudem kann sie verschiedene Krankheitserreger und Parasiten übertragen, darunter Leptospirose und Salmonellen — ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für Mensch und Nutztier.

Haltung, Handel und Freilassung der Nutria sind in der Schweiz und der EU strikt verboten. Wer die Art beobachtet, sollte dies umgehend dem kantonalen Jagd- und Fischereiamt oder der Fachstelle Neobiota melden. Eine vollständige Eliminierung aus besiedelten Gewässern ist schwierig — entscheidend ist deshalb die frühzeitige Erkennung neuer Vorkommen und konsequentes Eingreifen. In stark betroffenen Gebieten wird die Nutria bejagt; der Abschuss ist in mehreren Kantonen geregelt. Funde bitte über die InvasivApp melden.

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