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Schwarzmeer-Grundel
Neogobius melanostomus

Ein unscheinbarer, 8–25 cm langer Bodenfisch verändert die Fischfauna des Rheins rascher, als es die meisten Beobachter erwartet hätten. Die Schwarzmeer-Grundel ist als blinder Passagier im Ballastwasser von Frachtschiffen aus dem Schwarzmeer-Raum nach Mitteleuropa gelangt und gilt heute als eines der bedeutsamsten Fisch-Neozoen weltweit. Im Rhein hat sie sich von der Nordsee rheinaufwärts vorgearbeitet — und steht seit 2023 auch vor der Haustür der Schweiz.

Neogobius melanostomus gehört zur Familie der Grundeln (Gobiidae) und stammt ursprünglich aus den Brackwasserzonen des Schwarzen und Asowschen Meeres. Ihr unverwechselbares Merkmal ist die vollständig schwarz pigmentierte Mundregion — daher der Name. Die zu einem Saugnapf verwachsenen Bauchflossen erlauben ihr, an strömungsreichen Gewässerböden fest zu haften. Sie ist ausgesprochen anpassungsfähig: Fliessgewässer, Seen und Brackwasser werden gleichermassen besiedelt. Ihre Stärke liegt in der Kombination aus hoher Reproduktionsrate, aggressivem Territorialverhalten und der Fähigkeit, harte Muschelschalen mit kräftigen Schlundzähnen zu knacken.

Über den Rhein-Donau-Kanal und das Ballastwasser von Binnenschiffen gelangte die Schwarzmeer-Grundel in das westeuropäische Flussnetz. Im Rhein hat sie sich stromaufwärts ausgebreitet und ist heute bis in den Hochrhein vorgestossen. Im Sommer 2023 wurden im Monitoring des Kantons Aargau Schwarzmeer-Grundeln bis unterhalb der Staustufe des Kraftwerks Albbruck-Dogern nachgewiesen — an der Schwelle zur Schweiz. Um ihre Ausbreitung in die Aare zu verhindern, soll die Fischaufstiegsanlage am Kraftwerk Klingnau mit einer Grundelsperre ausgerüstet werden.

Die Schwarzmeer-Grundel gefährdet einheimische Fischarten auf zwei Ebenen: Als Nahrungskonkurrent verdrängt sie bodenbewohnende Arten wie Groppe, Barbe und Nase. Als Laichräuber frisst sie die Eier anderer Fischarten — darunter auch gefährdete Arten wie Äsche und Bachforelle. Ihre explosive Vermehrung in neu besiedelten Gewässern, wo natürliche Feinde fehlen, macht sie schnell zur dominanten Fischart. Für den Menschen besteht keine direkte Gefahr; als Beifang in der Angelfischerei ist sie jedoch ein zunehmendes Ärgernis.

Technische Sperren an Kraftwerksstufen und Fischaufstiegsanlagen sind derzeit die wirksamste Massnahme, um die weitere Ausbreitung in Schweizer Gewässer zu verlangsamen. Der Kanton Aargau und weitere Kantone führen laufende Monitorings durch. Anglerinnen und Angler sind gebeten, gefangene Grundeln nicht wieder ins Wasser zu setzen und Funde mit Foto und Fundort dem kantonalen Fischereiamt zu melden. Lebende Tiere dürfen nicht in andere Gewässer verbracht werden — auch nicht als Angelköder.

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