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Hornissenfallen: Unzureichend wirksam, ökologisch bedenklich

 

Hornissenfallen zur Kontrolle von Königinnen der Asiatischen Hornisse sind nach den vorliegenden Schweizer Daten weder ausreichend wirksam noch ausreichend selektiv. Der ökologische Schaden durch Beifang ist erheblich. Die Autoren empfehlen deshalb, Ressourcen stattdessen auf die Suche und Entfernung von Primärnestern zu konzentrieren.


Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) breitet sich in Europa weiterhin rasch aus und stellt insbesondere für Imkerei, Biodiversität und Ökosystemleistungen eine zunehmende Herausforderung dar. Eine häufig angewandte Bekämpfungsstrategie besteht im Fang überwinterter Königinnen mit Hornissenfallen während des Frühjahrs mit dem Ziel, die Gründung neuer Kolonien zu verhindern. Die Wirksamkeit dieser Methode wird jedoch seit Jahren kontrovers diskutiert..

Eine Auswertung mehrerer in der Schweiz durchgeführter Studien zeigt, dass derzeit verfügbare Fallensysteme weder ausreichend wirksam noch ausreichend selektiv sind, um einen relevanten Beitrag zur Eindämmung der Art zu leisten. Die Untersuchungen umfassten verschiedene Fallentypen und mehrere tausend Fallenstandorte in unterschiedlichen Regionen und Befallssituationen. Dabei wurden sowohl die Fangzahlen von Vespa velutina als auch die Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen erfasst.

Die Populationsdynamik begrenzt den Bekämpfungserfolg
Die Ergebnisse belegen, dass die Zahl gefangener Hornissenköniginnen im Verhältnis zur Populationsdynamik der Art gering bleibt. Da ein einzelnes Sekundärnest mehrere hundert potenzielle Jungköniginnen hervorbringen kann, hat der Verlust einzelner Gründerköniginnen nur einen marginalen Einfluss auf die Gesamtentwicklung der Population. Die hohe natürliche Mortalität überwinternder Königinnen verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Entsprechend konnte in Regionen mit intensiven Frühjahrsfangkampagnen kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen der Anzahl gefangener Königinnen und einer Reduktion der Nestdichte in der folgenden Saison festgestellt werden.

Gefangene Insekten im Vergleich der verschiedenen Fallentypen:
(Quelle: Revue d'Apiculture)

🔴 Asiatische Hornissen
🟠 Europäischer Hornissen
🟡 Wespen
🟢 Bienen  
⚫ anderen Insekten
 

 

Selektivere Fallen reduzieren den Beifang
Besondere Aufmerksamkeit verdient die in der Schweiz entwickelte Good4Bees-Falle. Im Vergleich zu mehreren konventionellen Fallensystemen zeigte sie in den untersuchten Versuchen eine erhöhte Selektivität, indem die Anzahl unerwünschter Beifänge deutlich reduziert werden konnte. Dies ist insbesondere aus naturschutzfachlicher Sicht relevant, da die Minimierung von Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Bekämpfungsmassnahmen darstellt. 

Die vorliegenden Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass eine verbesserte Selektivität nicht automatisch zu einer ausreichenden Wirksamkeit gegenüber der Asiatischen Hornisse führt. Obwohl die Good4Bees-Falle weniger Nicht-Zielinsekten erfasste als einige andere getestete Systeme, blieb die Fangrate von Hornissenköniginnen insgesamt zu niedrig, um einen nachweisbaren Einfluss auf die regionale Populationsentwicklung zu erzielen. Die Ergebnisse verdeutlichen damit die grundsätzliche Herausforderung der Frühjahrsbekämpfung: Eine Reduktion des Beifangs ist technisch erreichbar, die Kombination von hoher Selektivität und gleichzeitig hoher Wirksamkeit konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden.

Ökologische Risiken übersteigen den Nutzen
Besonders kritisch ist die geringe Selektivität der meisten eingesetzten Fallen. Im Durchschnitt wurden mehr als tausend Nicht-Zielinsekten pro gefangener Asiatischer Hornisse erfasst. Der überwiegende Teil dieser Beifänge bestand aus Fliegen, Wildinsekten, Wespen und weiteren Arthropoden, die wichtige ökologische Funktionen erfüllen. Dazu gehören Bestäubung, biologische Schädlingsregulation sowie die Zersetzung organischer Substanz. Auch Honigbienen wurden regelmässig in den Fallen nachgewiesen, insbesondere in Perioden mit eingeschränktem natürlichem Nahrungsangebot.

 


Informationen zu den 2024 und 2025 durchgeführten Fallenstudien und ihren Ergebnissen zur Anzahl gefangener Asiatischer Hornissen (A.H.) und anderer Nicht-Zielinsekten (Quelle: Revue d'Apiculture).

Die Resultate verdeutlichen, dass die derzeit verfügbaren Lockstoffe und Fallenkonstruktionen den Anforderungen einer ökologisch verantwortbaren Bekämpfung nicht genügen. Weder mechanische Selektionssysteme noch bislang entwickelte Pheromonansätze konnten eine ausreichende artspezifische Attraktivität oder Fangwirkung erzielen. Der ökologische Schaden durch Beifänge steht daher in keinem angemessenen Verhältnis zum erzielten Bekämpfungserfolg.

Frühzeitige Lokalisierung und Entfernung von Primär- und Sekundärnestern
Aus wissenschaftlicher Sicht erscheint der Frühjahrsfang von Königinnen deshalb nicht als geeignete Strategie zur Kontrolle von Vespa velutina. Deutlich erfolgversprechender sind Massnahmen, die auf die frühzeitige Lokalisierung und Entfernung von Primär- und Sekundärnestern abzielen. Gleichzeitig zeigen Entwicklungen wie die Good4Bees-Falle, dass Fortschritte bei der Reduktion von Beifängen möglich sind und die Forschung an selektiven Überwachungs- und Fangsystemen fortgeführt werden sollte. Die verfügbaren Daten legen nahe, dass Ressourcen und personelle Kapazitäten künftig prioritär in Überwachungssysteme, Nestsuche und koordinierte Bekämpfungsprogramme investiert werden sollten, um die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse wirksam zu begrenzen und gleichzeitig negative Auswirkungen auf die heimische Insektenfauna zu minimieren.

Informieren Sie sich über die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) auf unserer Fokusseite


Quelle: Revue Suisse d'Apiculture (03/2026)